Eisolation

E

von EmmaB
vom 4.04.2020

144

Ich bin Emma B. aus der Uckermark, Eisverkäuferin aus Leidenschaft. Doch was passiert, wenn einem die Leidenschaft einfach genommen wird? Eine Story über Quarantäne, Solidarität und einem Appell: Support your local People!

Quarantäne ist nicht einfach, das hat auch niemand behauptet, ABER: Wie soll man sich die Zeit vertreiben wenn Bars, Restaurants, Nachtclubs und sonstige Einrichtungen des öffentlichen Lebens geschlossen bleiben? Die Familie ist nur über Skype und FaceTime erreichbar, Freunde trifft man auf den wochenendlichen Skype-Kaffee.

Support your local People!

Manchmal erwische ich mich selbst dabei wie ich darüber nachdenke einfach nur zur nächsten Eisdiele zu gehen und mir ein Pfirsich-Melba Eis zu kaufen- doch ist das gesellschaftlich vertretbar? Der Grat scheint momentan schmal. Auf dieser Wanderung zwischen berechtigter Hysterie und Rationalität ist es schwerer den richtigen Weg zu finden.

Was darf ich und was nicht? Und kann ich als Einzelne*r wirklich etwas ändern?

JA! Denn ich kann zeigen was Solidarität bedeutet! WIR können zeigen was Solidarität bedeutet und zwar Jede und Jeder Einzelne von uns.

Drei Wochen sind nun vergangen, unser Sozialleben hat sich drastisch verändert und hier beginnt meine persönliche Story. Ich bin Emma B. aus der Uckermark, Eisverkäuferin aus Leidenschaft. Doch was passiert, wenn einem die Leidenschaft einfach genommen wird? Ich spreche hier nicht von den offensichtlichen finanziellen Schwierigkeiten die wohl oder übel auf mich zukommen werden, sondern von dem emotionalen Wert der mir durch meine tägliche Arbeit verloren geht. Ich habe vor einigen Jahren ein Café eröffnet und im Sommer biete ich meiner Kundschaft selbstgemachtes Eis an. Nur leider lässt sich Eis per Skype nicht verkaufen und per Post würde es leider schmelzen.

Kein Kleingewerbe. Kein Eis

In den letzten Tage versuchte das Thermometer zaghaft an den 20 Grad zu kitzeln. Wenn die zarten Sonnenstrahlen das Gesicht küssen, sehnen sich die Menschen nach dem ersten Eis des Jahres, bei mir ist es das Zitroneneis. Das besondere Zusammenspiel aus süß und sauer lässt sich vielleicht auch auf die aktuelle Situation übertragen. Auf der einen Seite reichen wir uns sinnbildlich und solidarisch die Hand, auf der anderen Seite bleiben die lokalen Helden*innen auf der Strecke.

Klar, die Hilfsmaßnahmen und finanziellen Care-Pakete der Regierung sind eine kurzfristige Unterstützung –– auf lange Sicht aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis mindestens zum 19. April, so sagt die Kanzlerin, bleibt die Gastronomie geschlossen. Bis dahin bin ich auf EUCH angewiesen. Und nicht nur ich, sondern alle rechtschaffenen, kleinen Arbeitenden in ganz Deutschland. Zeigt eure Unterstützung indem ihr Gutscheine kauft, Reservierungen im Voraus bucht oder euch einen Kaffee-to-go mitnehmt. Nur so können die Geschäfte in eurer Nachbarschaft diese schwierigen Zeiten überleben.

Nur leider lässt sich Eis per Skype nicht verkaufen und per Post würde es leider schmelzen.

von Emma B.

Weitere Stories